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Krähruf

Im Gegensatz zu den meisten Hühnerrassen ist der Krähruf eines Bergischen Kräherhahnes stark verlängert. Diese Eigenschaft teilen Bergische Kräher mit einer Reihe weiterer Europäischer sowie West-, Zentral- und Ostasiatischer Rassen. In Südosteuropa sind dies die Berat-Kräher, in Albanien die haubenhuhnähnlichen Kosovo-Kräher, in der Türkei die Denizli horoz, in Russland die Jurlower Kräher, in Zentralasien die Achal Tekkiner, in Japan die Koeyoshi, Tomaru und Totenko sowie in Indonesien die Ayam Pelung. Ob alle diese Rassen bzw. Gruppen einen gemeinsamen Ursprung haben, ist unklar. Sicher ist zumindest, dass die Bergischen Kräher fast keine für asiatische Rassen typische Genkombinationen zeigen, wie aus vergleichenden DNA-Untersuchungen hervorgeht (Granevitze et. al. 2009).

Über die Länge des Rufes eines Bergischen Kräherhahnes in der Vergangenheit gibt es unterschiedliche Angaben, sicher auch bedingt durch das Fehlen von Stoppuhren und standardisierten Messverfahren. Werte von maximal 72 Sekunden, wie sie für das Ende des 19.Jh. von Friedrich Wieden, dem damals kompetentesten Kenner der Rasse, in einem seiner zahlreichen Fachartikel beschrieben wurden, galten lange Zeit als maßlos übertrieben, sind jedoch nach Bekanntwerden der Kosovo-Kräher mit Krähruflägen von über einer Minute nicht mehr völlig auszuschließen. Die Regel waren sie ganz sicher ebenso wenig wie Spitzenwerte von 36 bzw. 23 Sekunden aus den 1950er und 1960er Jahren, die uns von alten Züchtern noch vor wenigen Jahren persönlich mitgeteilt wurden. Allgemeingültiger sind daher wohl die Angaben Bruno Dürigen´s, der 1921 schreibt, dass der Krähruf eines Bergischen Krähers etwa drei mal so lang sei wie der eines normalen Hahnes, was in etwa 10 Sekunden entspricht. Etwas höher angesiedelt, aber ebenfalls noch plausibel sind die Beschreibungen des seinerzeitigen SV-Vorsitzenden Fritz Gebigke, der 1954 von einem guten Kräher eine Ruflänge von 15-18 Sekunden verlangt. Die am besten dokumentierten Ergebnisse liegen aus Sachsen vor, wo die dortige Kräherzüchtervereinigung seit Beginn der 1950er Jahre kontinuierlich nach der gleichen Methode misst und die Spitzenwerte relativ konstant bei ca. 12-13 Sekunden liegen.

Bedingt durch die intensive Zuchtarbeit während der letzten Jahre sind heute in einigen Zuchten wieder Ruflängen von über 15 Sekunden erreicht worden.

Der Ruf eines Bergischen Kräherhahnes umfasst wie der eines normalen Hahnes vier Silben, wobei alle Silben verlängert sind, die ersten drei leicht und die letzte stark - im Gegensatz zu den Denizli horoz, wo die ersten Silben reduziert sind und der Ruf fast ausschließlich auf der extrem verlängerten letzten Silbe beruht. Die Stimme soll möglichst klar und tief, nicht jedoch übermäßig laut sein. Im günstigsten Fall läuft der Hahn während des Krähens einige Schritte nach vorn und senkt dabei den Kopf bis fast auf den Boden. Besonders gewünscht ist, wenn der Ruf mit dem sog. Schnork, einem Laut, der entsteht, wenn der Hahn nach dem Ruf wieder Luft einsaugt, endet.